Chilis, Zwiebeln und die übrigen Waren des Marktes wichen Kassetten, CDs und Vinyl. Allerlei Snacks wichen Band-Merchandise. Das Stimmengewirr des Feilschens wich der Musik von DJ-Pult und Bühne. So verwandelte sich die Atmosphäre auf dem Pasar Pujokusuman während des Record Store Day (RSD) Yogyakarta 2025, der am 12. und 13. April stattfand. Der nostalgische Reiz dieses historischen traditionellen Marktes stand in tiefem Einklang mit dem analogen Geist der physischen Musikkultur, die in Yogyakarta zum zehnten Mal gefeiert wurde.

Eine Fassade, die Art déco mit traditionell javanischem Stil verbindet, empfängt die Besucher bei ihrer Ankunft. Aneinandergereihte Bögen lenken den Blick auf eine Vielzahl hölzerner Tische. Statt traditioneller Händler füllten an diesem Wochenende 40 Anbieter physischer Tonträger aus verschiedenen Regionen den Markt. Sie gehören zum Jogja Record Store Club, einem Netzwerk, das Plattenhändler aus 7 Städten miteinander verbindet.
Die Wahl des Pasar Pujokusuman als Veranstaltungsort des RSD Yogyakarta 2025 war eine bewusste Entscheidung. Adhi Bayu Perkasa von Kultura Space, Gesamtleiter der Veranstaltung, erklärt: „Keine Record-Store-Day-Feier darf einfach nur dem Strom der Mainstream-Szene folgen, jede muss den Charakter ihrer eigenen Stadt tragen. Wir haben das Viertel Pujokusuman gefunden, mit seinen ndalem1 und einem noch aktiven Markt mit einzigartigen Gebäuden. Und das repräsentiert Jogja, mit dem natürlichen Ökosystem des Marktes.“



Wie schon in den Vorjahren war der RSD Yogyakarta für Sammler eine lang ersehnte Gelegenheit, auf die Jagd nach seltenen Platten, limitierten Editionen oder exklusiven Veröffentlichungen zu gehen. Alte wie neue Veröffentlichungen verschiedenster Genres, von Classic Rock, Jazz und Elektronik bis hin zu traditioneller Musik, lagen in allen Ecken des Marktes aus.
Neben den unzähligen ‚Schätzen‘ der Szene bot die Veranstaltung ein unterhaltsames Rahmenprogramm. Diesmal arbeitete der RSD Yogyakarta für einen Open Call mit Simak Siar zusammen. Zehn Bands und Musiker verschiedener Genres wurden ausgewählt, um die RSD-Bühne zu beleben. Neben der Qualität ihrer Musik gab auch den Ausschlag, dass sie ihre Musik in physischen Formaten veröffentlichen. Ergänzt wurden die Live-Auftritte durch DJ-Sets, die für einen durchgehenden Fluss sorgten und klassisches Vinyl mit zeitgenössischen digitalen Tracks verbanden.

Wer die Musik intensiver erleben wollte, fand in den Listening Sessions einen intimen Raum, in dem DJs Tracklisten im digitalen oder im Vinyl-Format kuratierten. Aus diesen Sessions entstanden oft spontane Gespräche über die Künstler, das Album-Artwork und die Geschichte der gespielten Musik.
Für geistige Nahrung sorgten Podiumsdiskussionen und Gesprächsrunden mit Musikern, Plattenladenbesitzern und Kulturkommentatoren. Sie beleuchteten die Entwicklung des Vinyls, sein Comeback im digitalen Zeitalter und die wichtige Rolle, die Plattenläden bei der Bewahrung des musikalischen Erbes spielen.
„Dieses Jahr wollten wir nicht nur über Emerging Music sprechen, sondern auch über ein Bewusstsein für das Ökosystem“, sagt Adhi Bayu Perkasa. Der RSD Yogyakarta 2025 antwortete darauf, indem er die Musik zu den Anfängen der Aufnahmegeschichte zurückführte, lange vor dem digitalen Zeitalter. „Es ist das erste Mal, dass wir Elemente der traditionellen Kultur einbeziehen, um eine Atmosphäre zu inszenieren und Nostalgie zu wecken. Deshalb haben wir den RSD auf diesen Nassmarkt zurückgebracht, der noch immer in Betrieb ist.“ ![]()
Info: https://www.instagram.com/jogjarecordstoreclub/
Notizen
- Ndalem: Javanisch, traditionellen javanischen Adelsresidenzen. ↩︎

Redaktion URAKAN
