A Night Kacau Balau





Lucas Haynes über Chaos, Erlaubnis und das Haus, das zur Bühne wurde
Interview: Redaktion URAKAN
Fotos: Faiz Pujo Jatmiko
Am 21. April 2025 füllte sich ein Haus in Yogyakarta mit Feuerwerk, Bohrmaschinen und mehr Auftritten, als irgendwer hätte einplanen können. A Night Kacau Balau war die jüngste Ausgabe von 3monkeys Bioskop, einem Ort, der als DIY-Kino begann und inzwischen lockerer und lauter geworden ist. Sein Gastgeber, der in Melbourne geborene Filmemacher und Kurator Lucas Haynes, legte den Abend an wie ein DJ-Set. Danach sprachen wir über Chaos, Erlaubnis und darüber, warum eine Hausparty der richtige Rahmen für Performancekunst sein könnte.


3monkeys Bioskop hat als DIY-Kino angefangen. Was ist es heute?
Es hat als DIY-Kino angefangen und ist dann eher zu einem offenen Ort für Performances geworden. Es war immer Underground und hat sich über WhatsApp und Mundpropaganda herumgesprochen. Heute ist es offen für queere Kunstschaffende, experimentelle Musik, alle, die spielen wollen. Es konzentriert sich nicht auf eine Gruppe, es ist offen für jede Gruppe. Ganz verschiedene Erfahrungen, verdichtet zu einer.
Wie ist A Night Kacau Balau entstanden?
Wir hatten Thomas Henning zu Gast, noch einen Künstler aus Melbourne, der seit fünf oder sechs Jahren in Indonesien lebt. Wir hatten für Filme mit vielen Leuten aus der Performancekunst zusammengearbeitet und wollten eine Vorführung machen, bei der genau diese Leute auftreten. Dann dachten wir, laden wir doch alle aus der Performancekunst ein, die uns einfallen. Am Ende waren es viel zu viele, um das noch zu organisieren.
Also haben wir beschlossen, den Abend wie ein DJ-Set zu mixen. Keine festen Zeiten, kein Ablaufplan, keine Ahnung, wer mit wem spielt. Wir sahen, wie jemand zu spielen anfing, und dachten, diese Person wäre jetzt genau richtig, und holten sie dazu. Dann brauchte Wayang Polah einen Slot, und plötzlich improvisierten sie mit ein paar anderen, alles spontan vor Ort.
Den Abend
mixen wie
ein DJ-Set.


Hast du bei den Auftretenden nach etwas Bestimmtem gesucht?
Es war eine Art spirituelle Kuration. Wir wussten, dass die Leute, die sich von dem Abend angezogen fühlen, die richtigen sind, also haben wir es breit gestreut, mit einer groben Vorstellung davon, wie der Abend werden würde und wie verrückt es werden könnte. Alle hatten die Erlaubnis, alles zu tun und den Raum zu nutzen, wie sie wollten, und die Leute nutzten ihn, um Dinge aus ihrem Leben zu verarbeiten.
In Dirandras Performance ging es um die eigene Transition, darum, das alte Selbst zu töten und das neue zu gebären, deshalb sollte es eine Geburtstagsparty und eine Beerdigung zugleich sein. Ich habe das Gefühl, jede Performance war ein Verarbeiten, weil die Leute den Raum und die Erlaubnis dafür bekamen.


Wen wolltest du im Publikum haben?
Ich will es nicht auf eine Gruppe, eine Altersgruppe oder einen bestimmten Typ Mensch beschränken. Ich möchte, dass die Veranstaltungen queer sind, aber nicht nur für queere Menschen, damit auch Leute außerhalb der Community sie erleben können. Ich bringe gern verschiedene Szenen zusammen, um Energie rauszulassen und es gemeinsam zu genießen.
Ich finde Veranstaltungen langweilig, wenn es nur ein Publikum, eine Szene, eine Art Musik gibt. Communities und Safe Spaces sind wirklich wichtig, Veranstaltungen für bestimmte Menschen auch, aber meine sollen offen sein. Offen auf eine sichere Art, bei der wir auf alle aufpassen. Wenn du den Abend mit Liebe, Respekt und einer gewissen Intensität angehst, die du auch vom Publikum einforderst, entsteht ein Safe Space.
Du bist die ganze Nacht herumgerannt. Gab es einen Moment, der dir geblieben ist?
Ich bin wie verrückt herumgerannt, habe die Auftretenden gesucht und überlegt, was als Nächstes passiert. Dann blieb ich kurz stehen und sah etwas Unglaubliches. Jemand machte Akupunktur im eigenen Gesicht. Jemand zerschlug eine Flasche auf dem Boden. Eine Bohrmaschine an einem Stoppschild. Es fühlte sich grenzenlos an, wie wild es wurde. Ich hatte kaum Gelegenheit, stehen zu bleiben und mit jemandem zu reden.




Erzähl von dem Raum. Warum hat er sich so angefühlt?
Der Raum ist mir sehr wichtig. Ich sehe ihn als Rahmen für das Kunstwerk, als die Galerie, in der das Werk steht. DIY- und Punk-Orte haben viel Energie, aber es gibt keinen immersiven, intimen Raum, in dem man sich fühlt, als wäre man in etwas drin, in etwas Lebendigem. Solche Orte hängen immer an Cafés, Bars, an Orten, die ums Geldausgeben herum gebaut sind, und das finde ich befremdlich, wenn ich Noise-Musik oder Performancekunst erleben will. Der Kontext passt nicht. Also haben wir es so intim, gedrängt und intensiv wie möglich gemacht. Eine dunkle, düstere Hausparty. Hauspartys sind in Jogja nicht wirklich üblich.
Es gab einen lustigen Moment. Jemand stand hinter der Bühne und fragte, ob man dort stehen dürfe, weil es wohl nach VIP-Bereich aussah, wie in schicken Clubs, wo alle coolen Leute hinten stehen. Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir wollen. Alle dürfen überall sein. Alle können hinten sein, alle können vorne sein.

Kein Vorne,
kein
Hinten.


Was bedeutet es für dich, hier einen queeren Raum zu organisieren?
So etwas fehlt in Jogja wirklich, vor allem wegen der Sicherheit. Ich weiß nicht, ob es eine positive Art gibt, weißes Privileg in der Stadt zu nutzen, aber die Verurteilung oder Bestrafung durch die Gemeinschaft, die einer Person aus Indonesien droht, wenn sie bei einer queeren Filmvorführung erwischt wird, trifft mich nicht im selben Maß. Das ist emotional schwierig.
Aber wenn ich diese Veranstaltungen ausrichten kann und lokale Kunst- und Filmschaffende an Orten auftreten, die ich betreibe, dann halte ich den Kopf hin. Das mache ich völlig gern. Als ich nach Indonesien kam, wollte ich mit queeren Kunstschaffenden hier arbeiten, so wie in Melbourne auch, und es ist schön, ihnen einen Raum und ein Zuhause zu geben.
Du bist auch aufgetreten, mit Thomas. Wie kam es dazu?
Thomas brauchte jemanden für die Musik. Ich hatte noch nie ein Set gespielt, nie. Er meinte, du steckst in dem Projekt mit drin, ich will, dass du es machst. Ich habe den ganzen Tag geprobt, die Kabel zusammengesucht, die Drumcomputer programmiert. Ich wollte ein Noise-Set spielen, weil alles, was Thomas macht, sowieso verrückt wird. Dann kam ich an und alle Kabel waren weg. Jemand hatte sie nach dem vorherigen Set mitgenommen. Also habe ich komplett improvisiert. Ich habe alles sehr laut aufgedreht und versucht, so laut und verrückt wie möglich zu sein.
Ich konnte gar nicht sehen, was Thomas machte. Ich sah nur Arme, die hinter der Ecke herumflogen, spritzende Farbe und wie das Publikum auf ihn reagierte. Davon habe ich mich treiben lassen. Es war großartig.









Der Name verspricht Chaos. Wusstest du, dass es so wird?
Wir hatten 14 oder 15 Leute im Line-up, und wir dachten, selbst wenn wie durch ein Wunder alle auftauchen, ist das Haus sowieso voller Leute. Wir haben uns einfach darauf gefreut, den Leuten den Raum zu geben, zu tun, was sie wollen. Auf der Tanzfläche ging Feuerwerk los, mitten im Haus.
Was
will man

mehr?
Wie geht es weiter?
Jede Veranstaltung ist organisch entstanden, ein, zwei Wochen im Voraus organisiert. Diese hier wurde fünf Tage vorher geplant. Ich bin sicher, dass es so weitergeht, so tickt die Stadt einfach. Wir halten es als offenen Raum und richten auch Veranstaltungen von anderen aus, die dazu passen.
Persönlich möchte ich mehr Vorführungen machen und mehr Residenzen anbieten. Ich spreche gerade mit Kunstschaffenden aus Thailand über eine Reihe queerer thailändischer Filme. Ich hoffe, das weckt in Jogja mehr Hausparty- und DIY-Gefühl, und mehr Orte jenseits von Bars, Clubs und Cafés. Nicht, dass daran etwas falsch wäre, aber an alternativen Orten kann es interessanter sein.
Auf den Fotos
Amber Kuang, Byakta Babam, Dirandra Sendyakala, Lucas Haynes, Sean, Thomas Henning, Wayang Polah, XUE
